Ja, die Zeit vergeht. Und das bekommt man an allen Ecken und Enden zu spüren, was gerade dann verstärkt auf einen einwirkt, wenn ein einschneidendes Erlebnis im Leben bevorsteht, auf dass man sich längere Zeit vorbereitet hat. So wird das mündliche Abitur morgen das Ende einer Ära und den Anfang einer neuen, ungewissen Zeit bedeuten. Wo man auch hinsieht, fast alles scheint einem in solchen Situationen den unaufhaltsamen Lauf der Zeit vor Augen zu halten. Und doch wissen sich manche solcher Momente in den Vordergrund zu stellen und ihre Wirkung noch einmal exponentiell zu steigern. Und genau so einen erlebe ich gerade. Nach dem in den letzten Tagen zur Routine gewordenen Durcharbeiten der Ethikunterlagen, führt sich mir ein solcher Moment vor Augen. Anfang der Stufe 11, mit dem Eintritt in die MSS, dem Wissen „jetzt gilt’s!“ und vielen Erwartungen, die teilweise letztlich unerfüllt bleiben sollten, setzte ich mich damals in meine erste Stunde Ethik. Ich hatte das Fach gewählt, einmal um dem öden und nervigen Religionsunterricht der Mittelstufe zu enfliehen und zum anderen, da mir die philosophischen Aspekte als durchaus interessant erschienen. Dass diese zwei Stunden pro Woche in den nächsten knapp zweieinhalb Jahren zu den prägensten Erlebnissen meines bisherigen Lebens gehören sollten, war sicherlich das letzte was ich erwartete. Und doch, nach der ersten Doppelstunde in diesem Fach und der „Einleitungsrede“ des Lehrers war mir bereits bewusst, dass dieses Fach mich mehr interessieren würde als der teils monotone Rest der schulischen Bildung. Es fiel die Frage welche ethische Position der Lehrer denn vertrete und es kommt mir vor wie gestern als er meinte, dass er uns dies in der letzten Stunde Ende der 13 verraten werde. Nun, dieses Versprechen hat er gehalten und uns seinen Standpunkt vor zwei Wochen, fünf Minuten vor dem obligatorischen Klingeln, mitgeteilt. Rational zu denken wollte er uns in der Zeit des gemeinsamen Unterrichtes beibringen. Und dies scheint ihm gelungen zu sein. In dem Moment war mir nicht bewusst, was es bedeutete. Doch jetzt, da ich an diesen Moment denke, schlägt dessen Wirkung auf mich ein wie eine Bombe: Morgen noch einmal am Abitur-Schnitt feilen, dann eine, vielleicht zwei Wochen feiern und dann… dann wird nichts mehr so sein wie es 13 verdammte Jahre lang mehr oder weniger war.
Es wird also Zeit, dem mit vergleichsweise wenigen Pflichten verbundenen Schulleben und damit auch der Kindheit zu entfliehen. Raus in die Welt, auf eigenen Beinen stehen.
Was die Zukunft bringt? Keiner vermag es zu sagen. Unseren eigenen Glückes Schmied sollen wir sein, doch in der heutigen Gesellschaft schwingen da ganz andere das Schmiedeeisen. Anpassen werden wir uns müssen, ein sich stetig drehendes Zahnrad in dieser großen, widerlichen Maschine sein. Arbeiten bis wir umfallen, denn wenn es für uns überhaupt noch Rente geben wird, dann wohl erst wenn wir 90 sind. Und zu ersetzen ist eh jeder. Doch was bleibt uns anderes übrig? Entweder schwimmen wir mit auf der Welle des zwanghaften Erfolges und ekelhaften Konsums oder wir gehen gnadenlos baden. Selbstverwirklichung? Was soll das sein? Es gilt: Hinsetzen, Klappe halten.
Haha, dass ich nicht lache.
Sonntag, 14. März 2010
Sonntag, 7. März 2010
Frank Turner – Poetry Of The Deed

Genre: Akustik/Folk/Punk
Erschienen: 11.09.2009
http://www.frank-turner.com/
Zugegeben, Singer/Songwriter-Releases gibt es in letzter Zeit wie Sand am Meer und sie finden auch starken Anklang, was nicht erst ein Verdienst von Ex-Hot Water Music Frontmann Chuck Reagan ist.
Mit Frank Turner trat 2006 jemand auf den Plan der, ähnlich wie Reagan, eine härtere Vergangenheit hinter sich hat. Als Sänger der britischen Punkband Million Dead hat der in Bahrain geboren und in Winchester/London aufgewachsene Turner schon immer politische Statements abgegeben und versucht, die Menschen, die seiner Musik lauschen, zum nachdenken zu bewegen. Doch auch zu dieser Zeit schon kam des Öfteren Turners Leidenschaft für ruhige Akustik-Stücke zum Vorschein. So war es eigentlich wenig überraschend, dass Turner, der übrigens ein Geschichts-Studium an der London School of Economics abgeschlossen hat, sich nach der Auflösung von Million Dead solo versuchen würde.
„Poetry Of The Deed“ ist sein drittes Full-Length, nach “Sleep Is For The Week” (2007) und “Love Ire & Song” (2008). Und obwohl er im Jahrestakt neue Alben herauszubringen scheint, verkauft er sich nicht oder brennt gar aus.
Seine Musik lässt sich am besten mit dem Titel seiner ersten EP beschreiben, die sich sinnigerweise mit „Campfire Punkrock“ betitelte. Denn genau das ist die Musik die man vorgesetzt bekommt: Ruhige Akustik-Stücke, die Lagerfeuer-Atmosphäre verbreiten, aber trotzdem massig Statements in Sachen Gesellschaft vom Stapel lassen.
Nimmt man alleine die Endzeile des Stückes „Sons Of Liberty“, dessen Name schon äußerst viel sagend ist, so merkt man sofort, dass es nicht Turners Absicht scheint, 08/15 - Schnulzen zu schreiben. „Because a man who’d trade his liberty for a safe and dreamless sleep / doesn’t deserve the both of them, and neither shall he keep.” heißt es da, und das mag für den einen oder anderen schon starker Tobak sein. Und doch ist es nur die Intonierung der Gedanken eines einfachen Mannes, der schon immer etwas bewegen wollte. Und eindeutig, seine „Punk-Vergangenheit“ findet starken Einfluss in sein Songwriting, so dass dieses auch bisweilen etwas derbe herüber kommt.
Turner ist ein Mann des Volkes, was alleine dadurch deutlich wird, dass er in den letzten fünf Jahren über 700 (!) Konzerte mit Band und solo gespielt hat, ständig auf Tour scheint. Doch er hat einen Heidenspaß daran, das Publikum anzuheizen und seine eigenständige Meinung zu verkaufen.
Für die Aufnahmen seines dritten Albums hat sich Turner dann jedoch Verstärkung geholt und wurde von einer Band unterstützt, deren Einflüsse, zB durch Klavierklänge zwar dezent und unterschwellig sind, die Musik aber nochmals interesannter machen.
In „Poetry Of The Deed“ setzt Turner seinen Erfolgsweg nahtlos fort: Eingängige Melodien und Songwriting, dass von banalen Alltagssituationen bis zu politischen Themen und Turners Selbsteinschätzung reicht bilden ein wirklich interessantes und durchweg hörbares Country/Folk/Punk Album, eines Mannes, der seiner Meinung nie müde wird.
8/10
Tracklist:
1. Live Fast Die Old
2. Try This At Home
3. Dan's Song
4. Poetry Of The Deed
5. Isabel
6. The Fastest Way Back Home
7. Sons Of Liberty
8. The Road
9. Faithful Son
10. Richard Divine
11. Sunday Nights
12. Our Lady Of The Campfire
13. Journey Of The Magi
Samstag, 27. Februar 2010
Polar Bear Club, Shook Ones & Title Fight im Exhaus, Trier 26.02.2010

Gestern ging es also nach Trier, hauptsächlich wegen Polar Bear Club, die anderen beiden wurden zwar vorher mal angehört, jedoch war kaum Zeit sich wirklich mit ihnen zu befassen.
Nach der nervigen Hinfahrt, die durch diverse Baustellen verzögert worden war, waren wir trotzdem bereits 20 Minuten vor Einlass da, und konnten uns direkt nach dem Öffnen der Tore Karten an der Abendkasse ersteigern.
Im Exhaus war ich vorher einmal, nämlich Ende letzten Jahres bei Ruiner, die noch im Café Exact, dem Speicher des Gebäudekomplexes spielten. Dieses mal sollte es ins „kleine Exil“ gehen, was sich als ein kuscheliger kleiner Kellerraum herausstellte. Wie im Exhaus-Programmheft angepriesen: „Schweiß und Spaß“ waren garantiert.
So eröffneten dann, nach der etwas längeren Wartezeit, pünktlich um 9 die Jungs von Title Fight den Abend. Wenn auch lokale Supports fehlten so hat der Opener immer einen schweren Stand bei solchen Konzerten, obwohl Title Fight, die übrigens ihre erste Tour spielten, mittlerweile doch einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Leider waren mir beim kurzen auschecken der Band außer „Simmetry“ und „Western Haikus“ keine Lieder hängen geblieben, doch beide fanden sich in der knapp 35 Minuten langen Setlist wieder. Generell haben die Jungs Lust auf mehr gemacht, wenn auch der Gesang des gleichzeitig Bass spielenden Sängers ziemlich unter ging, was zum einen an der Einstellung, zum anderen daran lag, dass das Multitasking noch nicht so ganz funktionierte. Trotzdem ein gelungener Einstand in den Abend, auch wenn das Publikum noch unmotiviert schien und kaum Bewegung da war, ein vereinzelter Crowdsurfer Mitte des Konzerts half da auch nicht wirklich weiter.
Weiter ging es dann mit Shook Ones, die mir auf Platte eigentlich am wenigsten gefielen. Dafür wussten sich die fünf Musiker durchaus live zu präsentieren. Die Stimme von Sänger Scott kam schon mal um einiges besser rüber, wahrscheinlich weil er sich nur darauf konzentrieren konnte. Es kam auch etwas Bewegung in den Laden, hier und da wurde mitgesungen und generell wurde es langsam wärmer in diesem kleinen Domizil.
Auch von einer gerissenen Gitarren-Saite ließ sich die Band aus Seattle nicht aus dem Konzept bringen, Scott überbrückte das ganze mit durchaus amüsanten Versuchen mithilfe eines Dudens Deutsch zu reden, was er laut einem Kumpel auch eine Woche zuvor in Essen schon vergebens versucht hatte. Weiter ging es und letztlich wurde hier dann auch zu einer Zugabe aufgefordert, die die Jungs gerne spielten auch wenn der Gitarrist meinte „I’m a little bit lazy“, trotzdem wurde noch einmal schön abgerissen.
Letztlich stand dann mit Polar Bear Club das persönliche Highlight des Abends auf dem Programm und gemessen an der Stimmung war das wohl bei 99,9% des Publikums der Fall. Der durchaus begrenzte Platz vor der Bühne füllte sich schnell und so kam bereits beim ersten Song, „Living Saints“ eine unglaubliche Stimmung auf. Man könnte meinen, Sänger Jimmy Stadt hätte einen ruhigen Abend verbringen können, bei der Menge an Sing-A-Longs und der großen Textsicherheit des Publikums. Doch natürlich heizte ihn dass nur noch mehr an und einem großartigen Konzert stand nichts mehr im Wege. Und spätestens hier konnte sich dann auch keiner mehr beschweren „Schweiß und Spaß“ wären ausgeblieben. Nach einer Setlist, die zu gefallen wusste und in der nahezu alle Songs, die ich mir gewünscht hätte vorkamen, wurde auch hier zu einer Zugabe aufgefordert. Auf die vielstimmigen „One More Song!“- Rufe erwiderte Jimmy dann etwas süffisant „You just want one? I thought we could play two more“, sodass wir letztlich noch mit zwei weiteren Liedern auf höchstem Niveau unterhalten wurden.
Insgesamt also ein überdurchschnittlich guter Abend den ich so schnell nicht vergessen werde. Natürlich auch und vor allem wegen Polar Bear Club, was die Leistung der Tour-Supports allerdings nicht schmälern soll.
Donnerstag, 25. Februar 2010
Story Of The Year – The Constant

Genre: Rock
Erschienen: 12.02.2010
Page Avenue, das Erstlingswerk der Band aus St. Louis begleitet mich nun schon seit Jahren immer mal wieder durch mein Leben und gehört sicherlich zu einem meiner „Lieblingsalben“, wenn man es denn so genau sagen kann.
Sicherlich, SOTY hatten schon immer den Drang zu leicht pathetischen Lyrics und auch die Musik ist/war an vielen Stellen mainstreamkompatibel, aber das muss ja nichts schlechtes sein! Und so haben es die fünf Jungs geschafft, mich gerade mit Page Avenue, aber auch zum Teil dem danach folgenden „In the wake of determination“ immer wieder zu fesseln. Hymnen wie „Sidewalks“, „Anthem Of Our Dying Day“ oder „Until The Day I Die“ hatten bzw haben großes Hitpotential, gingen ins Ohr und setzten sich fest. Und doch war die Band musikalisch nicht im Durchschnitts-Rock Bereich anzuordnen, ein gesundes Maß Härte hier und da und die außergewöhnliche Stimme Dan Marsalas versüßten das Hör-Erlebnis.
Leider muss ich sagen, dass das dritte Album „The Black Swan“ still und stumm an mir vorbeizog und ich deswegen umso überraschter war, mit „The Constant“ schon auf das zweite für mich neue Album zu stoßen. Ich war gespannt. Was waren Story of The Year mit den letzten zwei Alben für einen Weg gegangen? Hat man sich zugunsten des Erfolges angepasst? Ist man weiterhin den eigenen Weg gegangen? Oder ist man gar zurück zu den Wurzeln gegangen und setzt mehr auf Härte? Fragen über Fragen die es zu beantworten galt.
Der Name des Openers „The Children Sing“ verhieß für mich dann jedoch schon mal nichts Gutes – und tatsächlich wird mit einem unglaublich kitschigen und nervtötenden Kinderchor begonnen, der sich auch durch den ganzen, absolut durchschnittlichen Song zieht. Ideenreichtum ? Fehlanzeige. Alles schon tausend mal da gewesen und sicher auch schon bei weitem besser gemacht. Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend verurteilen, also weiterhören. Es folgt „The Ghost Of You And I“ und ich werde das Gefühl nicht los, das dieser Titel wunderbar zu solch Blindgängern wie My Chemical Romance oder 30 Seconds To Mars passen würde. Und auch dieses Lied setzt sich nicht bei mir fest, auch hier bekommt man durchschnittlichen Stadion-Rock vorgesetzt. Fast habe ich Angst davor weiterzuhören, immerhin mag ich die Band ja eigentlich.
Titel drei heißt „I’m Alive“ und katapultiert sich sowohl mit Titel, Lyrics als auch der Musik an die Spitze der Ideenlosigkeit. Zum ersten mal denke ich wirklich darüber nach, mir den Rest einfach nicht mehr anzuhören. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch wenn sie hier schon im Koma liegt. „To The Burial“. Mmh. Klingt vom Titel her auch nicht besser. Immerhin das treibende Intro, mit dem hymnischen Gesang erinnert zumindest ein wenig an alte Zeiten. Die Strophe legt los und ich traue meinen Ohren nicht. Ein Schrei ! Schnelle Drums und versiertes Gitarrenspiel ! Angepisster Gesang. Es geht ja doch. Sicherlich kein überragendes Lied und auch das etwas unpassende Gitarrensolo kann nicht ganz zufrieden stellen, aber immerhin ein kleiner Lichtblick in diesem bisher stockdüsteren Hör-Erlebnis.
Auch das nachfolgende „The Dream Is Over“ ist etwas schneller und weiß zumindest ansatzweise zu überzeugen. Und doch fehlt mir das besondere Element der ersten Platten. Man hat das Gefühl die Band habe Angst vor Weiterentwicklung und dümpelt deshalb in leider viel zu oft gehörten Gewässern. Aber es kommen ja noch sechs Songs und ich rede mir ein, dass es schon besser wird. Zugegeben, viel schlimmer kann es auch nicht werden.
Denkste. „Remember A Time“ wartet mit unglaublich nervigen Synthesizer Sounds im Hintergrund auf und hat ansonsten auch rein gar nichts zu bieten. Wo ist die Kraft in Marsalas Stimme hin? Und weiter geht’s in diesem Gruselkabinett an mangelnden Ideen. Eine 08/15-Piano-Ballade! So langsam schlägt meine Enttäuschung in Wut um. „One Threw Ate“ heißt der nächste Song. Und auch wenn die geschrieene Strophe eigentlich besser zu gefallen weiß, wirkt das ganze aufgesetzt, so als ob den Jungs selbst auffiel „Hör mal, das bisher ist zu wenig“. Besser macht es das bei weitem nicht, auch wenn das Lied immerhin hörbar ist, ohne dass der Hörer mit übertriebenem Kitsch geekelt wird.
Drei Lieder noch, dann habe ich es hinter mir. „Ten Years Down“ weiß tatsächlich zu gefallen, da ist die Stimme wieder, die ich eigentlich so liebe. Der Song ist etwas schneller gehalten und der Refrain ausnahmsweise mal annehmbar. Gegen Ende geht dem ganzen jedoch die Luft aus. Auch nicht wirklich bessere Kost. „Time Goes On“ ist der vorletzte Titel und ich denke mir nur zustimmend:„gut dass das so ist.“, denn in 6:21 Minuten bin ich endlich durch. Und auch in den nächsten knapp vier Minuten werde ich auf höchstem Niveau gelangweilt, um dann, mit „Eye for An Eye“ nocheinmal überrascht zu werden. Schnell, laut, wütend. Das einzige Lied dass ich mir freiwillig vielleicht noch einmal anhöre. Rettet aber auch nichts mehr.
„The Constant“ ist eines dieser Alben, nach dem sich der Niedergang einer Band vorraussagen lassen lässt. Durchschnittliches Song-Writing, Mangel an Ideen, das kopieren eigener Songstrukturen und vielleicht auch das bestreben, auf MTV in den Charts zu landen bilden einen riesigen Haufen Durchschnitt. Sicherlich, musikalisch ist das Album in Ordnung und es ist auch in einem gewissen Maße hörbar, langweilt aber von vorne bis hinten.
Schade !
3/10
Tracklist:
1. The Children Song
2. The Ghost Of You And I
3. I’m Alive
4. To The Burial
5. The Dream Is Over
6. Remember A Time
7. Holding On To You
8. Won Threw Ate
9. Ten Years Down
10. Time Goes On
11. Eye For An Eye
Mittwoch, 24. Februar 2010
Zugegeben, das Lied ist alt. Es ist aus einer Zeit, wo wir noch ganz am Anfang eines Weges standen, der heute zu Ende gegangen ist. Damals saßen wir an unseren kleinen Tischen, nervös und ängstlich darauf wartend, was uns wohl in der neuen Welt Schule so erwarten würde, waren froh, dass der ein oder andere Kindergartenfreund neben einem saß und freuten uns über all die Sachen die sich in unserer großen Schultüte so finden ließen. Wir dachten nicht im Traum daran wie es sich wohl anfühlen möge, diese Welt einmal für immer zu verlassen und den allzu vertrauten Schulweg nie wieder so zu gehen wie vorher.
Heute ist dieser Tag gekommen, realisiert habe ich es eigentlich immer noch nicht, vielleicht will ich es auch gar nicht oder die Freude den Druck endlich los zu sein überwiegt einfach, auch wenn das Ergebnis nicht so ganz meinen Erwatungen bzw. Hoffnungen entspricht. Wahrscheinlich werde ich erst wirklich verstehen, wenn das letzte Lied auf der Inoffi verklungen ist und sich solangsam die Wege trennen, dass 13 schöne Jahre Schule nun endgültig vorüber sind. Und dann ist es soweit. "Time grabs you by the wrist, directs you were to go.", singt Billie Joe in diesem Lied, zu dem man eigentlich kein Wort verlieren muss, es wirkt von ganz allein.
Wohin sie uns noch alle führen wird wissen wir nicht, aber hoffentlich immer wieder zusammen.
Montag, 22. Februar 2010
Bloc Party - A Weekend in the City

Genre: Indie
Veröffentlicht: 5.2.07
www.blocparty.com
Menschenleer und leblos wirkt das Cover, obwohl es sich stellenweise sogar hell erleuchtet präsentiert.
Diesen ersten Eindruck weiten die vier recht schüchtern wirkenden Briten mit dem dazugehörigen Album aus, es entsteht vom ersten Song an eine düstere, melancholische und hier und da fast depressive Atmosphäre, die nur in wenigen Liedern aufgebrochen wird. Passend dazu sind Keles Lyrics diesmal sehr persönlich und warten oftmals mit Gesellschaftskritik auf, geschickt verpackt in sehr komplexen und intelligenten Zeilen.
Vor allem Sänger Okereke hat ein Faible für elektronische Rhythmen und Effekte, was auch jedem Unbeteiligtem augenblicklich klar wird, wenn er das Equipment der Band betrachtet und dabei die verschiedensten Effektpedale entdeckt. Diese Experimentierfreudigkeit wird auf "A Weekend in the City" stärker ausgelebt als noch auf dem Vorgänger "Silent Alarm", besonders "Flux" und "The Prayer" sind voll von elektronischen Effekten.
Das Album beginnt mit dem Vorsatz "I am trying to be heroic, in an age of modernity". Kele Okereke findet sich in seinen Liedern in unserer Zeit wieder, wirklich zu Hause fühlt er sich in der modernen Gesellschaft jedoch oft nicht. Er geht seinem Alltag nach, trifft Freunde, besucht exzessive Partys, doch bei all diesem Umgang mit Menschen fühlt er sich dennoch einsam. Im von Glockenspielen eingeläuteten "Waiting for the 7:18" besingt er die bedrängende Eintönigkeit des Alltags, die ungestillte Sehnsucht auszubrechen, zu fliehen, in das lebendige Brighton ("Let's drive to Brighton on the weekend!") und die Trauer darüber früher zu wenig gewagt zu haben, um eben auch jetzt wirklich glücklich zu sein. Diese bittere Erkenntnis wird auch im aus "KeinOhrHasen" allseits bekannten "I still remember" thematisiert, ebenso wie der unbedingte Wunsch nach Veränderung im sehr experimentellen, manchmal sogar die Lyrics verschluckenden, "The Prayer", besonders mit den Zeilen "Is it so wrong to want rewarding? To want more than is given to you?" ausgedrückt wird.
"Kreuzberg" präsentiert dem Hörer dann die scheinbare Lösung für all die beschriebenen Sorgen (oder zumindest die meisten). Doch besingt Kele hier nicht wie er diese findet, sondern wie er dabei Mal für Mal scheitert. Die ungestillte Sehnsucht nach Liebe, nach einer oder im Fall des Sängers vielleicht (auch) einem, die/der dich wirklich versteht, wird hier thematisiert und die bittere Enttäuschung darüber wieder einmal nicht erlöst worden zu sein.
Doch hat das Album thematisch noch mehr zu bieten. So wird in "Hunting for Witches" die Panikmache und Sicherheitshysterie der Medien, nach den Terroranschlägen von London (2005) mit einem gehörigen Schuss Sarkasmus kritisiert, indem das Bild eines Durchschnittsbürgers kreiert wird, der mit Bier und scharfer Waffe auf dem Dach seines Hauses sitzt und nur darauf wartet, dass sich die Feinde zeigen, die diverse Medien überall zu finden glauben. Mit "Uniform" bringen die vier dann ihre Enttäuschung über die Uniformität und Steuerbarkeit der Jugend, sowie ihre scheinbar rebellische Einstellung, zum Audruck. Im Backgroundgesang findet sich mit "Pop songs won't change the government!" auch noch ein kleiner Seitenhieb in Richtung Green Day und Konsorten, die Kele Okereke schon in Interviews beschuldigte, für die Verdummung westlicher Teenager mitverantwortlich zu sein. Hervorzuheben ist ebenfalls das wiederum sehr experimentelle "Where is home?", wo der Sohn nigerianischer Eltern sich über den Rassismus in seiner Heimat beklagt und wütend "In every headline we are reminded that this is not home for us!"singt.
"A Weekend in the City" ist meines Erachtens nach das beste der drei sehr guten Bloc Party-Alben, wo nur "Sunday" und "The Prayer" etwas (!) abfallen. Durch den unverwechselbaren Sound, der im Vergleich zum ersten Album deutlich gewachsen ist, wird hier eine packende, düstere Stimmung geschaffen, die perfekt zu den starken Texten passt. So persönlich wie diese gehalten sind und wie sie von Okereke dargeboten werden, ist es meist leicht sich in die besungene Situation hineinzuversetzen, besonders wenn man von Zeit zu Zeit darin seine eigene ,zumindest in den Grundzügen, wiederfindet. Auch die eher gesellschaftskritischen Lieder überzeugen auf ganzer Linie mit anspruchsvollen Lyrics und überaus gutem Einsatz der Instrumente und Effekte.
Und bei aller Ernsthaftigkeit, Melancholie und Wut, wird der Ein oder Andere sicher dem herrlich sarkastischen Text von "Hunting for Witches" erliegen und einfach Schmunzeln müssen.
9/10
Tracklist:
1. Song for Clay (Disappear here)
2. Hunting for Witches
3. Waiting for the 7:18
4. The Prayer
5. Uniform
6. On
7. Where is home?
8. Kreuzberg
9. I Still Remember
10. Flux
11. Sunday
12. SRXT
Ruiner - Hell Is Empty

Genre: Hardcore
Erschienen: 25.09.2009
www.youruiner.com/
Nachdem ich nun schon mit der für mich besten Platte des letzten Jahres begonnen habe, folgt hier ein weiteres Goldstück aus 2009: „Hell Is Empty“ ist das aktuellste Release der Jungs aus Baltimore.
In einer Zeit, in der Hardcore sicherlich einen Boom erlebt und der Markt von Einheitsbrei und 08/15-Releases überschwemmt wird, scheint es umso schwerer sich von der Masse abzuheben. Eine Band die dies zweifelsohne immer wieder bewältigt ist Ruiner und das, so paradox es klingen mag, dadurch, dass sie eigentlich nicht hervorstechen will. Für Sänger Rob Sullivan ist die Entwicklung dieser Szene eine absolut negative und da Sullivan schon immer ein Mann ehrlicher Worte war, lässt er dies auch durchscheinen wo es nur geht: „Hello you fuckers, you assholes, you social rejects / I hope you get my sarcasm as I generalize our subculture”, heißt es da in „Two Words“, dem dritten Song der Platte und eindeutiger könnte er seine Unzufriedenheit wohl kaum herausschreien.
Generell zieht sich Sullivans Unmut schon immer wie ein roter Faden durch die Aufnahmen seiner Band. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen, jeder bekommt sein Fett weg. Und trotzdem bringt es der rothaarige Zimmermann und Teilzeitbarkeeper fertig, nie abgestumpft oder übertrieben pathetisch zu klingen. Im Gegenteil, die Ehrlichkeit die einem entgegenschlägt ist überwältigend und es kommt des Öfteren vor, dass man sich dabei erwischt, wie man ihm im Stillen recht gibt, obwohl das eigene Verhalten verurteilt wird.
Man mag Sullivan als notorischen Weltverbesserer und Idealisten darstellen, doch sieht er die Chancen, mit seinen Texten etwas zu bewegen selbst sehr nüchtern und realistisch. Umso eindrucksvoller erscheint es, wenn man sieht wie viel Herzblut er in seine Kunst hineinsteckt. Wenn er eins nicht will, dann ist das ein blindes Schaf in der großen Herde zu sein, die sich Gesellschaft nennt. Wenn er auf seine sarkastische und schon fast anmaßend bodenständige Weise ins Mikrofon brüllt, seine Stimme dabei immer wieder wegbricht und er seinen Hass auf das eine oder andere Thema zum Ausdruck bringt, bleibt einem kaum etwas anderes übrig als beeindruckt zu sein. Es wird so oft wie möglich angeeckt und provoziert wo es nur geht und genau das macht Ruiner zu einer Band, die zum Nachdenken anregt wie kaum eine zweite. Die Jungs haben eine Meinung, die Jungs sind ehrlich. Und wer das nicht akzeptiert oder wem das aufstößt, der hat in diesem Musikgeschäft schlichtweg nichts verloren.
„Hell is Empty“ ist ein unglaublich fesselndes und intensives Album. In „I’m Out“, dem Opener, beginnt Sullivan direkt mit einem Statement, dass seine Einstellung wunderbar treffend beschreibt: „You can blame me if you want. / You can hate me if you want” - Macht was ihr wollt, ich ziehe mein Ding durch und lasse mir von niemandem den Mund verbieten. Und so geht es weiter. Nach dem düsteren „Dead Weight“ folgt das oben angesprochene „Two Words“. Dort gipfelt Sullivans Hass auf die Subkultur, die für ihn nicht mehr das ist für das sie einst stand, so verurteilt er die „ignorant masses“, den mangelnden Willen etwas zu bewegen. Es folgt der Zweiteiler „Part One“ & „Part Two“, wobei ersterer dazu zu dienen scheint, die Spannung für Teil zwei aufzubauen. Eine starke Spannung hält sich übrigens über das ganze Album, man ist nie gelangweilt. Über vier weitere vor Ehrlichkeit und Sarkasmus nur so strotzende Songs gelangt man letztlich zum Ende. Und hier wird mit „Solitary“ noch einmal einer drauf gesetzt. Das Lied beschreibt die Situation des Ex-Knackis Mike, der im jungen Rob Sullivan einen Freund findet, der ihm aber genauso wenig wie Mikes Bruder helfen kann. Dabei wird die Geschichte so atmosphärisch erzählt, dass es überwältigt. Sullivan selbst versteht das Lied auch und vor allem als Kritik am amerikanischen Gefängnissystem und dessen Unfähigkeit, Menschen zu ändern.
Musikalisch gehen Ruiner nicht ganz den Weg der Vorgänger, vor Schnelligkeit explodierende Songs bleiben fast gänzlich aus. Doch unterstützt der treibendere, düsterere Sound auf eine perfekte Art und Weise die Message, die Sullivan rüberbringen will. Und das ist die Wahrheit – und die sieht nicht rosig aus.
9/10
Tracklist:
01. I'm Out
02. Dead Weight
03. Two Words
04. Part One
05. Part Two
06. Meat
07. Constrictor
08. Loneliest Of Hearts
09. Convenient Gods
10. Solitary
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