Montag, 22. Februar 2010

Bloc Party - A Weekend in the City


Genre: Indie
Veröffentlicht: 5.2.07
www.blocparty.com

Menschenleer und leblos wirkt das Cover, obwohl es sich stellenweise sogar hell erleuchtet präsentiert.
Diesen ersten Eindruck weiten die vier recht schüchtern wirkenden Briten mit dem dazugehörigen Album aus, es entsteht vom ersten Song an eine düstere, melancholische und hier und da fast depressive Atmosphäre, die nur in wenigen Liedern aufgebrochen wird. Passend dazu sind Keles Lyrics diesmal sehr persönlich und warten oftmals mit Gesellschaftskritik auf, geschickt verpackt in sehr komplexen und intelligenten Zeilen.

Vor allem Sänger Okereke hat ein Faible für elektronische Rhythmen und Effekte, was auch jedem Unbeteiligtem augenblicklich klar wird, wenn er das Equipment der Band betrachtet und dabei die verschiedensten Effektpedale entdeckt. Diese Experimentierfreudigkeit wird auf "A Weekend in the City" stärker ausgelebt als noch auf dem Vorgänger "Silent Alarm", besonders "Flux" und "The Prayer" sind voll von elektronischen Effekten.

Das Album beginnt mit dem Vorsatz "I am trying to be heroic, in an age of modernity". Kele Okereke findet sich in seinen Liedern in unserer Zeit wieder, wirklich zu Hause fühlt er sich in der modernen Gesellschaft jedoch oft nicht. Er geht seinem Alltag nach, trifft Freunde, besucht exzessive Partys, doch bei all diesem Umgang mit Menschen fühlt er sich dennoch einsam. Im von Glockenspielen eingeläuteten "Waiting for the 7:18" besingt er die bedrängende Eintönigkeit des Alltags, die ungestillte Sehnsucht auszubrechen, zu fliehen, in das lebendige Brighton ("Let's drive to Brighton on the weekend!") und die Trauer darüber früher zu wenig gewagt zu haben, um eben auch jetzt wirklich glücklich zu sein. Diese bittere Erkenntnis wird auch im aus "KeinOhrHasen" allseits bekannten "I still remember" thematisiert, ebenso wie der unbedingte Wunsch nach Veränderung im sehr experimentellen, manchmal sogar die Lyrics verschluckenden, "The Prayer", besonders mit den Zeilen "Is it so wrong to want rewarding? To want more than is given to you?" ausgedrückt wird.
"Kreuzberg" präsentiert dem Hörer dann die scheinbare Lösung für all die beschriebenen Sorgen (oder zumindest die meisten). Doch besingt Kele hier nicht wie er diese findet, sondern wie er dabei Mal für Mal scheitert. Die ungestillte Sehnsucht nach Liebe, nach einer oder im Fall des Sängers vielleicht (auch) einem, die/der dich wirklich versteht, wird hier thematisiert und die bittere Enttäuschung darüber wieder einmal nicht erlöst worden zu sein.

Doch hat das Album thematisch noch mehr zu bieten. So wird in "Hunting for Witches" die Panikmache und Sicherheitshysterie der Medien, nach den Terroranschlägen von London (2005) mit einem gehörigen Schuss Sarkasmus kritisiert, indem das Bild eines Durchschnittsbürgers kreiert wird, der mit Bier und scharfer Waffe auf dem Dach seines Hauses sitzt und nur darauf wartet, dass sich die Feinde zeigen, die diverse Medien überall zu finden glauben. Mit "Uniform" bringen die vier dann ihre Enttäuschung über die Uniformität und Steuerbarkeit der Jugend, sowie ihre scheinbar rebellische Einstellung, zum Audruck. Im Backgroundgesang findet sich mit "Pop songs won't change the government!" auch noch ein kleiner Seitenhieb in Richtung Green Day und Konsorten, die Kele Okereke schon in Interviews beschuldigte, für die Verdummung westlicher Teenager mitverantwortlich zu sein. Hervorzuheben ist ebenfalls das wiederum sehr experimentelle "Where is home?", wo der Sohn nigerianischer Eltern sich über den Rassismus in seiner Heimat beklagt und wütend "In every headline we are reminded that this is not home for us!"singt.

"A Weekend in the City" ist meines Erachtens nach das beste der drei sehr guten Bloc Party-Alben, wo nur "Sunday" und "The Prayer" etwas (!) abfallen. Durch den unverwechselbaren Sound, der im Vergleich zum ersten Album deutlich gewachsen ist, wird hier eine packende, düstere Stimmung geschaffen, die perfekt zu den starken Texten passt. So persönlich wie diese gehalten sind und wie sie von Okereke dargeboten werden, ist es meist leicht sich in die besungene Situation hineinzuversetzen, besonders wenn man von Zeit zu Zeit darin seine eigene ,zumindest in den Grundzügen, wiederfindet. Auch die eher gesellschaftskritischen Lieder überzeugen auf ganzer Linie mit anspruchsvollen Lyrics und überaus gutem Einsatz der Instrumente und Effekte.
Und bei aller Ernsthaftigkeit, Melancholie und Wut, wird der Ein oder Andere sicher dem herrlich sarkastischen Text von "Hunting for Witches" erliegen und einfach Schmunzeln müssen.

9/10

Tracklist:
1. Song for Clay (Disappear here)
2. Hunting for Witches
3. Waiting for the 7:18
4. The Prayer
5. Uniform
6. On
7. Where is home?
8. Kreuzberg
9. I Still Remember
10. Flux
11. Sunday
12. SRXT

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