
Gestern ging es also nach Trier, hauptsächlich wegen Polar Bear Club, die anderen beiden wurden zwar vorher mal angehört, jedoch war kaum Zeit sich wirklich mit ihnen zu befassen.
Nach der nervigen Hinfahrt, die durch diverse Baustellen verzögert worden war, waren wir trotzdem bereits 20 Minuten vor Einlass da, und konnten uns direkt nach dem Öffnen der Tore Karten an der Abendkasse ersteigern.
Im Exhaus war ich vorher einmal, nämlich Ende letzten Jahres bei Ruiner, die noch im Café Exact, dem Speicher des Gebäudekomplexes spielten. Dieses mal sollte es ins „kleine Exil“ gehen, was sich als ein kuscheliger kleiner Kellerraum herausstellte. Wie im Exhaus-Programmheft angepriesen: „Schweiß und Spaß“ waren garantiert.
So eröffneten dann, nach der etwas längeren Wartezeit, pünktlich um 9 die Jungs von Title Fight den Abend. Wenn auch lokale Supports fehlten so hat der Opener immer einen schweren Stand bei solchen Konzerten, obwohl Title Fight, die übrigens ihre erste Tour spielten, mittlerweile doch einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Leider waren mir beim kurzen auschecken der Band außer „Simmetry“ und „Western Haikus“ keine Lieder hängen geblieben, doch beide fanden sich in der knapp 35 Minuten langen Setlist wieder. Generell haben die Jungs Lust auf mehr gemacht, wenn auch der Gesang des gleichzeitig Bass spielenden Sängers ziemlich unter ging, was zum einen an der Einstellung, zum anderen daran lag, dass das Multitasking noch nicht so ganz funktionierte. Trotzdem ein gelungener Einstand in den Abend, auch wenn das Publikum noch unmotiviert schien und kaum Bewegung da war, ein vereinzelter Crowdsurfer Mitte des Konzerts half da auch nicht wirklich weiter.
Weiter ging es dann mit Shook Ones, die mir auf Platte eigentlich am wenigsten gefielen. Dafür wussten sich die fünf Musiker durchaus live zu präsentieren. Die Stimme von Sänger Scott kam schon mal um einiges besser rüber, wahrscheinlich weil er sich nur darauf konzentrieren konnte. Es kam auch etwas Bewegung in den Laden, hier und da wurde mitgesungen und generell wurde es langsam wärmer in diesem kleinen Domizil.
Auch von einer gerissenen Gitarren-Saite ließ sich die Band aus Seattle nicht aus dem Konzept bringen, Scott überbrückte das ganze mit durchaus amüsanten Versuchen mithilfe eines Dudens Deutsch zu reden, was er laut einem Kumpel auch eine Woche zuvor in Essen schon vergebens versucht hatte. Weiter ging es und letztlich wurde hier dann auch zu einer Zugabe aufgefordert, die die Jungs gerne spielten auch wenn der Gitarrist meinte „I’m a little bit lazy“, trotzdem wurde noch einmal schön abgerissen.
Letztlich stand dann mit Polar Bear Club das persönliche Highlight des Abends auf dem Programm und gemessen an der Stimmung war das wohl bei 99,9% des Publikums der Fall. Der durchaus begrenzte Platz vor der Bühne füllte sich schnell und so kam bereits beim ersten Song, „Living Saints“ eine unglaubliche Stimmung auf. Man könnte meinen, Sänger Jimmy Stadt hätte einen ruhigen Abend verbringen können, bei der Menge an Sing-A-Longs und der großen Textsicherheit des Publikums. Doch natürlich heizte ihn dass nur noch mehr an und einem großartigen Konzert stand nichts mehr im Wege. Und spätestens hier konnte sich dann auch keiner mehr beschweren „Schweiß und Spaß“ wären ausgeblieben. Nach einer Setlist, die zu gefallen wusste und in der nahezu alle Songs, die ich mir gewünscht hätte vorkamen, wurde auch hier zu einer Zugabe aufgefordert. Auf die vielstimmigen „One More Song!“- Rufe erwiderte Jimmy dann etwas süffisant „You just want one? I thought we could play two more“, sodass wir letztlich noch mit zwei weiteren Liedern auf höchstem Niveau unterhalten wurden.
Insgesamt also ein überdurchschnittlich guter Abend den ich so schnell nicht vergessen werde. Natürlich auch und vor allem wegen Polar Bear Club, was die Leistung der Tour-Supports allerdings nicht schmälern soll.



