Sonntag, 4. Juli 2010

More Than Life - Love Let Me Go



Genre: Hardcore

Da ist es also. Zwei Jahre nach der „Brave Enough To Fail“-EP, für viele eines der besten Releases im modernen Hardcore-Bereich der letzten Jahre, bringen die fünf Jungs aus Großbritannien ihr erstes Full-Length heraus. Lange wurde daran herumgebastelt, immer wieder auf der MySpace-Seite kurz bestätigt das weiter intensivst daran gearbeitet wird und somit die sowieso schon große Erwartungshaltung ins beinahe Unermessliche getrieben.
Vier Tracks wurden im Vorfeld auf eben dieser Seite präsentiert; namentlich „Scarlet Skyline“, „I’ve Lost Track Of Everything“, „Take My Life Away” und “Daisy Hill“, (nebenbei, durch besagte Tracks schaffte es MTL auf Platz 1 der Myspace-Charts) und ehrlich gesagt: Anfangs war ich wenig begeistert. Es lässt sich nicht einmal genau sagen warum, doch wollte mich das Gehörte zunächst einmal nicht vom buchstäblichen Hocker hauen. So wurde das „Projekt Love Let Me Go“ von mir zunächst einmal beiseite geschoben.

Nach geraumer Zeit überkam mich dann aber die Neugier. Zunächst einmal hatte ich nur vier Titel gehört und desweiteren gibt es immer wieder diese Alben die dem Phänomen unterliegen, dass man sie mehrmals hören muss bis es das berühmte „Klick!“ macht und man sich Hals über Kopf in die Platte verliebt. Falls das bisher noch nicht klar geworden sein sollte, schon mal im Voraus: Love Let Me Go gehört für mich zu genau dieser Sorte!

Nachdem ich den kompletten Verband von zehn Songs einige Male gehört hatte, war mir klar dass sich dieses Album in keinster Weise vor der EP verstecken muss.
Auf den ersten Eindruck kommt einem der Sound etwas dumpfer und dabei etwas höher vor als noch auf Brave Enough To Fail, doch merkt man eines, was sich schon im Vorgänger herauskristallisierte: More Than Life haben ein unglaubliches Gespür für Melodie, Spannungsaufbau und Intensität. Die Songs strotzen nur so von atmosphärischer Dichte, das Gitarrenspiel ist auf höchstem Niveau versiert, die Drums treibend und der Gesang, der immer kurz davor steht, sich zu überschlagen, bilden ein so intensives Gesamtpaket, das jeglichen im Vorfeld aufgekommenen Hype für diese Band einfach nur die vollste Bestätigung erteilt.

Auch lyrisch schöpfen More Than Life aus dem Vollen. Als Flagschiff dient hier sicherlich „I’ve Lost Track Of Everything“ (beinahe schäme ich mich, es nicht direkt als „genial“ eingestuft zu haben) doch auch der Rest bietet modernen Hardcore in seiner vollsten Pracht: Verzweiflung und Wut machen sich breit und gipfeln in der ein oder anderen absoluten Gänsehaut-Passage. Sicherlich, das Rad neu erfunden haben MTL damit nicht, doch dreht es sich bei dieser jungen Band so verdammt schnell, dass so einige „Alteingesessene“ eben mal rechts überholt werden.

Hier und da gibt es dann noch ein paar Besonderheiten, so hat man sich bei „Take My Life Away“ Unterstützung vom befreundeten Dead Swans-Sänger Nick geholt und auf dem nach dem Album betitelten Schlusssong wird in bester „Bane-Swan Song-Manier“ tatsächlich auch durchaus überzeugend gesungen.

Sollten es More Than Life jetzt noch zu Stande bringen, die bisweilen zum Teil etwas lieblosen Live-Auftritte und da vor allem Sänger James, seine Stimme in den Griff zu bekommen, so haben MTL zweifellos unter Beweis gestellt, dass sie sich vor absoluten Genre-Größen wie Have Heart, Verse oder jüngst Defeater bei kontinuierlicher Arbeit in Zukunft wohl nicht werden verstecken müssen – Love Let Me Go trägt dazu einen großen Teil bei und gehört in diesem Bereich für mich definitiv jetzt schon in die Auswahl zum „Album des Jahres“ – auch wenn es zugegebenermaßen nicht ganz an die EP herranreicht – was noch einmal eher ein Lob für diese als Kritik für das Album ist.

9/10

The Gaslight Anthem - American Slang

Genre: Soul, Punk, Alternative


Haben sie sich wirklich nicht verändert? Es kommt wohl auf die bekanntlich subjektive Sichtweise an. Bemerken sollte aber jeder, der sich mit dem Album beschäftigt: Brian Fallon hat Maria, Johnny und viele Springsteen-Zitate aus seinem Wortschatz verbannt. Persönlicher sind die Lyrics geworden und man hört den Umzug nach New York mehr als einmal deutlich heraus. Auch musikalisch zeigen die vier aus New Brunswick, einiges an Weiterentwicklung und Experimentierfreudigkeit. So kommt "Bring It On" unglaublich selbstbewusst und intensiv rüber, "The Diamond Church Street Choir" widmet sich auf wunderbar leichte Weise dem Soul und "We Did It When We Were Young" sticht mit seiner Mischung aus gelungener Produktion und der einzigartigen Emotionalität als letzter Song wirklich heraus. Starke Lyrics, variable, aber stets optimale musikalische Begleitung und einfach die unbedingte Liebe zur Musik machen auch dieses Album von Brian Fallon, Alex Rosamilia, Alex Levine und Benny Horowitz zu einem Meisterwerk, dass zwischen seinen Nachbarn in den Charts so wunderbar unpassend erscheint.
Aber wirklich verändert, nein, das haben sie sich nicht. Immer noch sind sie die selbsternannten "jukebox romeos"; geprägt von ihrem Aufwachsen in der rauen Industriestadt New Brunswick und geleitet von den Helden ihrer Jugend. Und immer noch beschwören sie die romantische Sehnsucht nach Sicherheit und einer heilen Welt.
Und das ist gut so.

9/10, da leider nur etwas mehr als 30 Minuten Spielzeit

Freitag, 9. April 2010

Null Punkt Kelvin - 10"



Genre: Punk / Screamo / Experimental

http://www.myspace.com/nullpunktkelvin
http://www.lechuzarecords.de

Heute ist mir durch Zufall ein wahres Goldstück in die Hände gefallen. Aus Langeweile blätterte ich den aktuellen Greenhell Katalog durch und blieb in der Kategorie Deutsch bei „Null Punkt Kelvin“ hängen. Nachdem ich die Myspace-Seite gecheckt hatte und der erste Song mich direkt fesselte stellte ich mit Freuden fest, dass ihre 10“ vom Label Lechuza Records zum kostenlosen Download bereit gestellt wird. Sechs Songs galt es zu hören und meine Vorfreude hielt sich kaum in Grenzen.
Wie lässt sich nun der Musikstil von Null Punkt Kelvin beschreiben? Selbst betitelt sich die Band als „Punk / Screamo / Experimental“ und irgendwo dazwischen wird sich musikalisch auch bewegt. Mein erster Gedanke war in etwa Turbostaat meets Callejon, poetische deutschsprachige Texte und eine deutlicher Punk-Einschlag koppeln sich mit sehr intensiven Schrei-Passagen, die eine klare Screamo-Note aufweisen. Bei den sechs Songs kommt nie auch nur ansatzweise Langeweile auf und die Leidenschaft und Intensität dieser jungen Band aus Köln gefällt zu jedem Moment und weis mitzureißen. Highlight ist meiner Meinung nach der zweite Song „Die Anderen“ in dem sich Abwechslung, Spannung und Intensität auf eine solch überragende Art und Weise vereinen, dass mir die Worte fehlen. Im letzten Song „Alpina Weiß vs. Zufall“ finde ich dann am Ende auch noch eine Stelle aus „Down By Law“, einem Film mit Tom Waits den ich sehr gut finde und spätestens da haben Null Punkt Kelvin mein Herz erobert. Lust auf mehr macht die Platte sowieso. Geheimtipp!

9/10

Tracklist:

1. Totschlagargument
2. Die Anderen
3. Nicht Versinken, Bitte!
4. Immer den Pfeilen nach
5. Nur noch 194 Tage, 11 Stunden und 21 Minuten
6. Alpina Weiß vs. Zufall

Sonntag, 14. März 2010

Ja, die Zeit vergeht. Und das bekommt man an allen Ecken und Enden zu spüren, was gerade dann verstärkt auf einen einwirkt, wenn ein einschneidendes Erlebnis im Leben bevorsteht, auf dass man sich längere Zeit vorbereitet hat. So wird das mündliche Abitur morgen das Ende einer Ära und den Anfang einer neuen, ungewissen Zeit bedeuten. Wo man auch hinsieht, fast alles scheint einem in solchen Situationen den unaufhaltsamen Lauf der Zeit vor Augen zu halten. Und doch wissen sich manche solcher Momente in den Vordergrund zu stellen und ihre Wirkung noch einmal exponentiell zu steigern. Und genau so einen erlebe ich gerade. Nach dem in den letzten Tagen zur Routine gewordenen Durcharbeiten der Ethikunterlagen, führt sich mir ein solcher Moment vor Augen. Anfang der Stufe 11, mit dem Eintritt in die MSS, dem Wissen „jetzt gilt’s!“ und vielen Erwartungen, die teilweise letztlich unerfüllt bleiben sollten, setzte ich mich damals in meine erste Stunde Ethik. Ich hatte das Fach gewählt, einmal um dem öden und nervigen Religionsunterricht der Mittelstufe zu enfliehen und zum anderen, da mir die philosophischen Aspekte als durchaus interessant erschienen. Dass diese zwei Stunden pro Woche in den nächsten knapp zweieinhalb Jahren zu den prägensten Erlebnissen meines bisherigen Lebens gehören sollten, war sicherlich das letzte was ich erwartete. Und doch, nach der ersten Doppelstunde in diesem Fach und der „Einleitungsrede“ des Lehrers war mir bereits bewusst, dass dieses Fach mich mehr interessieren würde als der teils monotone Rest der schulischen Bildung. Es fiel die Frage welche ethische Position der Lehrer denn vertrete und es kommt mir vor wie gestern als er meinte, dass er uns dies in der letzten Stunde Ende der 13 verraten werde. Nun, dieses Versprechen hat er gehalten und uns seinen Standpunkt vor zwei Wochen, fünf Minuten vor dem obligatorischen Klingeln, mitgeteilt. Rational zu denken wollte er uns in der Zeit des gemeinsamen Unterrichtes beibringen. Und dies scheint ihm gelungen zu sein. In dem Moment war mir nicht bewusst, was es bedeutete. Doch jetzt, da ich an diesen Moment denke, schlägt dessen Wirkung auf mich ein wie eine Bombe: Morgen noch einmal am Abitur-Schnitt feilen, dann eine, vielleicht zwei Wochen feiern und dann… dann wird nichts mehr so sein wie es 13 verdammte Jahre lang mehr oder weniger war.

Es wird also Zeit, dem mit vergleichsweise wenigen Pflichten verbundenen Schulleben und damit auch der Kindheit zu entfliehen. Raus in die Welt, auf eigenen Beinen stehen.
Was die Zukunft bringt? Keiner vermag es zu sagen. Unseren eigenen Glückes Schmied sollen wir sein, doch in der heutigen Gesellschaft schwingen da ganz andere das Schmiedeeisen. Anpassen werden wir uns müssen, ein sich stetig drehendes Zahnrad in dieser großen, widerlichen Maschine sein. Arbeiten bis wir umfallen, denn wenn es für uns überhaupt noch Rente geben wird, dann wohl erst wenn wir 90 sind. Und zu ersetzen ist eh jeder. Doch was bleibt uns anderes übrig? Entweder schwimmen wir mit auf der Welle des zwanghaften Erfolges und ekelhaften Konsums oder wir gehen gnadenlos baden. Selbstverwirklichung? Was soll das sein? Es gilt: Hinsetzen, Klappe halten.

Haha, dass ich nicht lache.

Sonntag, 7. März 2010

Frank Turner – Poetry Of The Deed



Genre: Akustik/Folk/Punk

Erschienen: 11.09.2009

http://www.frank-turner.com/

Zugegeben, Singer/Songwriter-Releases gibt es in letzter Zeit wie Sand am Meer und sie finden auch starken Anklang, was nicht erst ein Verdienst von Ex-Hot Water Music Frontmann Chuck Reagan ist.

Mit Frank Turner trat 2006 jemand auf den Plan der, ähnlich wie Reagan, eine härtere Vergangenheit hinter sich hat. Als Sänger der britischen Punkband Million Dead hat der in Bahrain geboren und in Winchester/London aufgewachsene Turner schon immer politische Statements abgegeben und versucht, die Menschen, die seiner Musik lauschen, zum nachdenken zu bewegen. Doch auch zu dieser Zeit schon kam des Öfteren Turners Leidenschaft für ruhige Akustik-Stücke zum Vorschein. So war es eigentlich wenig überraschend, dass Turner, der übrigens ein Geschichts-Studium an der London School of Economics abgeschlossen hat, sich nach der Auflösung von Million Dead solo versuchen würde.

„Poetry Of The Deed“ ist sein drittes Full-Length, nach “Sleep Is For The Week” (2007) und “Love Ire & Song” (2008). Und obwohl er im Jahrestakt neue Alben herauszubringen scheint, verkauft er sich nicht oder brennt gar aus.
Seine Musik lässt sich am besten mit dem Titel seiner ersten EP beschreiben, die sich sinnigerweise mit „Campfire Punkrock“ betitelte. Denn genau das ist die Musik die man vorgesetzt bekommt: Ruhige Akustik-Stücke, die Lagerfeuer-Atmosphäre verbreiten, aber trotzdem massig Statements in Sachen Gesellschaft vom Stapel lassen.

Nimmt man alleine die Endzeile des Stückes „Sons Of Liberty“, dessen Name schon äußerst viel sagend ist, so merkt man sofort, dass es nicht Turners Absicht scheint, 08/15 - Schnulzen zu schreiben. „Because a man who’d trade his liberty for a safe and dreamless sleep / doesn’t deserve the both of them, and neither shall he keep.” heißt es da, und das mag für den einen oder anderen schon starker Tobak sein. Und doch ist es nur die Intonierung der Gedanken eines einfachen Mannes, der schon immer etwas bewegen wollte. Und eindeutig, seine „Punk-Vergangenheit“ findet starken Einfluss in sein Songwriting, so dass dieses auch bisweilen etwas derbe herüber kommt.

Turner ist ein Mann des Volkes, was alleine dadurch deutlich wird, dass er in den letzten fünf Jahren über 700 (!) Konzerte mit Band und solo gespielt hat, ständig auf Tour scheint. Doch er hat einen Heidenspaß daran, das Publikum anzuheizen und seine eigenständige Meinung zu verkaufen.

Für die Aufnahmen seines dritten Albums hat sich Turner dann jedoch Verstärkung geholt und wurde von einer Band unterstützt, deren Einflüsse, zB durch Klavierklänge zwar dezent und unterschwellig sind, die Musik aber nochmals interesannter machen.

In „Poetry Of The Deed“ setzt Turner seinen Erfolgsweg nahtlos fort: Eingängige Melodien und Songwriting, dass von banalen Alltagssituationen bis zu politischen Themen und Turners Selbsteinschätzung reicht bilden ein wirklich interessantes und durchweg hörbares Country/Folk/Punk Album, eines Mannes, der seiner Meinung nie müde wird.

8/10

Tracklist:

1. Live Fast Die Old
2. Try This At Home
3. Dan's Song
4. Poetry Of The Deed
5. Isabel
6. The Fastest Way Back Home
7. Sons Of Liberty
8. The Road
9. Faithful Son
10. Richard Divine
11. Sunday Nights
12. Our Lady Of The Campfire
13. Journey Of The Magi

Samstag, 27. Februar 2010

Polar Bear Club, Shook Ones & Title Fight im Exhaus, Trier 26.02.2010




Gestern ging es also nach Trier, hauptsächlich wegen Polar Bear Club, die anderen beiden wurden zwar vorher mal angehört, jedoch war kaum Zeit sich wirklich mit ihnen zu befassen.
Nach der nervigen Hinfahrt, die durch diverse Baustellen verzögert worden war, waren wir trotzdem bereits 20 Minuten vor Einlass da, und konnten uns direkt nach dem Öffnen der Tore Karten an der Abendkasse ersteigern.
Im Exhaus war ich vorher einmal, nämlich Ende letzten Jahres bei Ruiner, die noch im Café Exact, dem Speicher des Gebäudekomplexes spielten. Dieses mal sollte es ins „kleine Exil“ gehen, was sich als ein kuscheliger kleiner Kellerraum herausstellte. Wie im Exhaus-Programmheft angepriesen: „Schweiß und Spaß“ waren garantiert.

So eröffneten dann, nach der etwas längeren Wartezeit, pünktlich um 9 die Jungs von Title Fight den Abend. Wenn auch lokale Supports fehlten so hat der Opener immer einen schweren Stand bei solchen Konzerten, obwohl Title Fight, die übrigens ihre erste Tour spielten, mittlerweile doch einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Leider waren mir beim kurzen auschecken der Band außer „Simmetry“ und „Western Haikus“ keine Lieder hängen geblieben, doch beide fanden sich in der knapp 35 Minuten langen Setlist wieder. Generell haben die Jungs Lust auf mehr gemacht, wenn auch der Gesang des gleichzeitig Bass spielenden Sängers ziemlich unter ging, was zum einen an der Einstellung, zum anderen daran lag, dass das Multitasking noch nicht so ganz funktionierte. Trotzdem ein gelungener Einstand in den Abend, auch wenn das Publikum noch unmotiviert schien und kaum Bewegung da war, ein vereinzelter Crowdsurfer Mitte des Konzerts half da auch nicht wirklich weiter.

Weiter ging es dann mit Shook Ones, die mir auf Platte eigentlich am wenigsten gefielen. Dafür wussten sich die fünf Musiker durchaus live zu präsentieren. Die Stimme von Sänger Scott kam schon mal um einiges besser rüber, wahrscheinlich weil er sich nur darauf konzentrieren konnte. Es kam auch etwas Bewegung in den Laden, hier und da wurde mitgesungen und generell wurde es langsam wärmer in diesem kleinen Domizil.
Auch von einer gerissenen Gitarren-Saite ließ sich die Band aus Seattle nicht aus dem Konzept bringen, Scott überbrückte das ganze mit durchaus amüsanten Versuchen mithilfe eines Dudens Deutsch zu reden, was er laut einem Kumpel auch eine Woche zuvor in Essen schon vergebens versucht hatte. Weiter ging es und letztlich wurde hier dann auch zu einer Zugabe aufgefordert, die die Jungs gerne spielten auch wenn der Gitarrist meinte „I’m a little bit lazy“, trotzdem wurde noch einmal schön abgerissen.

Letztlich stand dann mit Polar Bear Club das persönliche Highlight des Abends auf dem Programm und gemessen an der Stimmung war das wohl bei 99,9% des Publikums der Fall. Der durchaus begrenzte Platz vor der Bühne füllte sich schnell und so kam bereits beim ersten Song, „Living Saints“ eine unglaubliche Stimmung auf. Man könnte meinen, Sänger Jimmy Stadt hätte einen ruhigen Abend verbringen können, bei der Menge an Sing-A-Longs und der großen Textsicherheit des Publikums. Doch natürlich heizte ihn dass nur noch mehr an und einem großartigen Konzert stand nichts mehr im Wege. Und spätestens hier konnte sich dann auch keiner mehr beschweren „Schweiß und Spaß“ wären ausgeblieben. Nach einer Setlist, die zu gefallen wusste und in der nahezu alle Songs, die ich mir gewünscht hätte vorkamen, wurde auch hier zu einer Zugabe aufgefordert. Auf die vielstimmigen „One More Song!“- Rufe erwiderte Jimmy dann etwas süffisant „You just want one? I thought we could play two more“, sodass wir letztlich noch mit zwei weiteren Liedern auf höchstem Niveau unterhalten wurden.

Insgesamt also ein überdurchschnittlich guter Abend den ich so schnell nicht vergessen werde. Natürlich auch und vor allem wegen Polar Bear Club, was die Leistung der Tour-Supports allerdings nicht schmälern soll.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Story Of The Year – The Constant





Genre: Rock


Erschienen: 12.02.2010


Page Avenue, das Erstlingswerk der Band aus St. Louis begleitet mich nun schon seit Jahren immer mal wieder durch mein Leben und gehört sicherlich zu einem meiner „Lieblingsalben“, wenn man es denn so genau sagen kann.
Sicherlich, SOTY hatten schon immer den Drang zu leicht pathetischen Lyrics und auch die Musik ist/war an vielen Stellen mainstreamkompatibel, aber das muss ja nichts schlechtes sein! Und so haben es die fünf Jungs geschafft, mich gerade mit Page Avenue, aber auch zum Teil dem danach folgenden „In the wake of determination“ immer wieder zu fesseln. Hymnen wie „Sidewalks“, „Anthem Of Our Dying Day“ oder „Until The Day I Die“ hatten bzw haben großes Hitpotential, gingen ins Ohr und setzten sich fest. Und doch war die Band musikalisch nicht im Durchschnitts-Rock Bereich anzuordnen, ein gesundes Maß Härte hier und da und die außergewöhnliche Stimme Dan Marsalas versüßten das Hör-Erlebnis.

Leider muss ich sagen, dass das dritte Album „The Black Swan“ still und stumm an mir vorbeizog und ich deswegen umso überraschter war, mit „The Constant“ schon auf das zweite für mich neue Album zu stoßen. Ich war gespannt. Was waren Story of The Year mit den letzten zwei Alben für einen Weg gegangen? Hat man sich zugunsten des Erfolges angepasst? Ist man weiterhin den eigenen Weg gegangen? Oder ist man gar zurück zu den Wurzeln gegangen und setzt mehr auf Härte? Fragen über Fragen die es zu beantworten galt.

Der Name des Openers „The Children Sing“ verhieß für mich dann jedoch schon mal nichts Gutes – und tatsächlich wird mit einem unglaublich kitschigen und nervtötenden Kinderchor begonnen, der sich auch durch den ganzen, absolut durchschnittlichen Song zieht. Ideenreichtum ? Fehlanzeige. Alles schon tausend mal da gewesen und sicher auch schon bei weitem besser gemacht. Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend verurteilen, also weiterhören. Es folgt „The Ghost Of You And I“ und ich werde das Gefühl nicht los, das dieser Titel wunderbar zu solch Blindgängern wie My Chemical Romance oder 30 Seconds To Mars passen würde. Und auch dieses Lied setzt sich nicht bei mir fest, auch hier bekommt man durchschnittlichen Stadion-Rock vorgesetzt. Fast habe ich Angst davor weiterzuhören, immerhin mag ich die Band ja eigentlich.

Titel drei heißt „I’m Alive“ und katapultiert sich sowohl mit Titel, Lyrics als auch der Musik an die Spitze der Ideenlosigkeit. Zum ersten mal denke ich wirklich darüber nach, mir den Rest einfach nicht mehr anzuhören. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch wenn sie hier schon im Koma liegt. „To The Burial“. Mmh. Klingt vom Titel her auch nicht besser. Immerhin das treibende Intro, mit dem hymnischen Gesang erinnert zumindest ein wenig an alte Zeiten. Die Strophe legt los und ich traue meinen Ohren nicht. Ein Schrei ! Schnelle Drums und versiertes Gitarrenspiel ! Angepisster Gesang. Es geht ja doch. Sicherlich kein überragendes Lied und auch das etwas unpassende Gitarrensolo kann nicht ganz zufrieden stellen, aber immerhin ein kleiner Lichtblick in diesem bisher stockdüsteren Hör-Erlebnis.

Auch das nachfolgende „The Dream Is Over“ ist etwas schneller und weiß zumindest ansatzweise zu überzeugen. Und doch fehlt mir das besondere Element der ersten Platten. Man hat das Gefühl die Band habe Angst vor Weiterentwicklung und dümpelt deshalb in leider viel zu oft gehörten Gewässern. Aber es kommen ja noch sechs Songs und ich rede mir ein, dass es schon besser wird. Zugegeben, viel schlimmer kann es auch nicht werden.

Denkste. „Remember A Time“ wartet mit unglaublich nervigen Synthesizer Sounds im Hintergrund auf und hat ansonsten auch rein gar nichts zu bieten. Wo ist die Kraft in Marsalas Stimme hin? Und weiter geht’s in diesem Gruselkabinett an mangelnden Ideen. Eine 08/15-Piano-Ballade! So langsam schlägt meine Enttäuschung in Wut um. „One Threw Ate“ heißt der nächste Song. Und auch wenn die geschrieene Strophe eigentlich besser zu gefallen weiß, wirkt das ganze aufgesetzt, so als ob den Jungs selbst auffiel „Hör mal, das bisher ist zu wenig“. Besser macht es das bei weitem nicht, auch wenn das Lied immerhin hörbar ist, ohne dass der Hörer mit übertriebenem Kitsch geekelt wird.

Drei Lieder noch, dann habe ich es hinter mir. „Ten Years Down“ weiß tatsächlich zu gefallen, da ist die Stimme wieder, die ich eigentlich so liebe. Der Song ist etwas schneller gehalten und der Refrain ausnahmsweise mal annehmbar. Gegen Ende geht dem ganzen jedoch die Luft aus. Auch nicht wirklich bessere Kost. „Time Goes On“ ist der vorletzte Titel und ich denke mir nur zustimmend:„gut dass das so ist.“, denn in 6:21 Minuten bin ich endlich durch. Und auch in den nächsten knapp vier Minuten werde ich auf höchstem Niveau gelangweilt, um dann, mit „Eye for An Eye“ nocheinmal überrascht zu werden. Schnell, laut, wütend. Das einzige Lied dass ich mir freiwillig vielleicht noch einmal anhöre. Rettet aber auch nichts mehr.

„The Constant“ ist eines dieser Alben, nach dem sich der Niedergang einer Band vorraussagen lassen lässt. Durchschnittliches Song-Writing, Mangel an Ideen, das kopieren eigener Songstrukturen und vielleicht auch das bestreben, auf MTV in den Charts zu landen bilden einen riesigen Haufen Durchschnitt. Sicherlich, musikalisch ist das Album in Ordnung und es ist auch in einem gewissen Maße hörbar, langweilt aber von vorne bis hinten.
Schade !

3/10

Tracklist:

1. The Children Song
2. The Ghost Of You And I
3. I’m Alive
4. To The Burial
5. The Dream Is Over
6. Remember A Time
7. Holding On To You
8. Won Threw Ate
9. Ten Years Down
10. Time Goes On
11. Eye For An Eye