
Genre: Hardcore
Erschienen: 25.09.2009
www.youruiner.com/
Nachdem ich nun schon mit der für mich besten Platte des letzten Jahres begonnen habe, folgt hier ein weiteres Goldstück aus 2009: „Hell Is Empty“ ist das aktuellste Release der Jungs aus Baltimore.
In einer Zeit, in der Hardcore sicherlich einen Boom erlebt und der Markt von Einheitsbrei und 08/15-Releases überschwemmt wird, scheint es umso schwerer sich von der Masse abzuheben. Eine Band die dies zweifelsohne immer wieder bewältigt ist Ruiner und das, so paradox es klingen mag, dadurch, dass sie eigentlich nicht hervorstechen will. Für Sänger Rob Sullivan ist die Entwicklung dieser Szene eine absolut negative und da Sullivan schon immer ein Mann ehrlicher Worte war, lässt er dies auch durchscheinen wo es nur geht: „Hello you fuckers, you assholes, you social rejects / I hope you get my sarcasm as I generalize our subculture”, heißt es da in „Two Words“, dem dritten Song der Platte und eindeutiger könnte er seine Unzufriedenheit wohl kaum herausschreien.
Generell zieht sich Sullivans Unmut schon immer wie ein roter Faden durch die Aufnahmen seiner Band. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen, jeder bekommt sein Fett weg. Und trotzdem bringt es der rothaarige Zimmermann und Teilzeitbarkeeper fertig, nie abgestumpft oder übertrieben pathetisch zu klingen. Im Gegenteil, die Ehrlichkeit die einem entgegenschlägt ist überwältigend und es kommt des Öfteren vor, dass man sich dabei erwischt, wie man ihm im Stillen recht gibt, obwohl das eigene Verhalten verurteilt wird.
Man mag Sullivan als notorischen Weltverbesserer und Idealisten darstellen, doch sieht er die Chancen, mit seinen Texten etwas zu bewegen selbst sehr nüchtern und realistisch. Umso eindrucksvoller erscheint es, wenn man sieht wie viel Herzblut er in seine Kunst hineinsteckt. Wenn er eins nicht will, dann ist das ein blindes Schaf in der großen Herde zu sein, die sich Gesellschaft nennt. Wenn er auf seine sarkastische und schon fast anmaßend bodenständige Weise ins Mikrofon brüllt, seine Stimme dabei immer wieder wegbricht und er seinen Hass auf das eine oder andere Thema zum Ausdruck bringt, bleibt einem kaum etwas anderes übrig als beeindruckt zu sein. Es wird so oft wie möglich angeeckt und provoziert wo es nur geht und genau das macht Ruiner zu einer Band, die zum Nachdenken anregt wie kaum eine zweite. Die Jungs haben eine Meinung, die Jungs sind ehrlich. Und wer das nicht akzeptiert oder wem das aufstößt, der hat in diesem Musikgeschäft schlichtweg nichts verloren.
„Hell is Empty“ ist ein unglaublich fesselndes und intensives Album. In „I’m Out“, dem Opener, beginnt Sullivan direkt mit einem Statement, dass seine Einstellung wunderbar treffend beschreibt: „You can blame me if you want. / You can hate me if you want” - Macht was ihr wollt, ich ziehe mein Ding durch und lasse mir von niemandem den Mund verbieten. Und so geht es weiter. Nach dem düsteren „Dead Weight“ folgt das oben angesprochene „Two Words“. Dort gipfelt Sullivans Hass auf die Subkultur, die für ihn nicht mehr das ist für das sie einst stand, so verurteilt er die „ignorant masses“, den mangelnden Willen etwas zu bewegen. Es folgt der Zweiteiler „Part One“ & „Part Two“, wobei ersterer dazu zu dienen scheint, die Spannung für Teil zwei aufzubauen. Eine starke Spannung hält sich übrigens über das ganze Album, man ist nie gelangweilt. Über vier weitere vor Ehrlichkeit und Sarkasmus nur so strotzende Songs gelangt man letztlich zum Ende. Und hier wird mit „Solitary“ noch einmal einer drauf gesetzt. Das Lied beschreibt die Situation des Ex-Knackis Mike, der im jungen Rob Sullivan einen Freund findet, der ihm aber genauso wenig wie Mikes Bruder helfen kann. Dabei wird die Geschichte so atmosphärisch erzählt, dass es überwältigt. Sullivan selbst versteht das Lied auch und vor allem als Kritik am amerikanischen Gefängnissystem und dessen Unfähigkeit, Menschen zu ändern.
Musikalisch gehen Ruiner nicht ganz den Weg der Vorgänger, vor Schnelligkeit explodierende Songs bleiben fast gänzlich aus. Doch unterstützt der treibendere, düsterere Sound auf eine perfekte Art und Weise die Message, die Sullivan rüberbringen will. Und das ist die Wahrheit – und die sieht nicht rosig aus.
9/10
Tracklist:
01. I'm Out
02. Dead Weight
03. Two Words
04. Part One
05. Part Two
06. Meat
07. Constrictor
08. Loneliest Of Hearts
09. Convenient Gods
10. Solitary
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