
Genre: Hardcore
Da ist es also. Zwei Jahre nach der „Brave Enough To Fail“-EP, für viele eines der besten Releases im modernen Hardcore-Bereich der letzten Jahre, bringen die fünf Jungs aus Großbritannien ihr erstes Full-Length heraus. Lange wurde daran herumgebastelt, immer wieder auf der MySpace-Seite kurz bestätigt das weiter intensivst daran gearbeitet wird und somit die sowieso schon große Erwartungshaltung ins beinahe Unermessliche getrieben.
Vier Tracks wurden im Vorfeld auf eben dieser Seite präsentiert; namentlich „Scarlet Skyline“, „I’ve Lost Track Of Everything“, „Take My Life Away” und “Daisy Hill“, (nebenbei, durch besagte Tracks schaffte es MTL auf Platz 1 der Myspace-Charts) und ehrlich gesagt: Anfangs war ich wenig begeistert. Es lässt sich nicht einmal genau sagen warum, doch wollte mich das Gehörte zunächst einmal nicht vom buchstäblichen Hocker hauen. So wurde das „Projekt Love Let Me Go“ von mir zunächst einmal beiseite geschoben.
Nach geraumer Zeit überkam mich dann aber die Neugier. Zunächst einmal hatte ich nur vier Titel gehört und desweiteren gibt es immer wieder diese Alben die dem Phänomen unterliegen, dass man sie mehrmals hören muss bis es das berühmte „Klick!“ macht und man sich Hals über Kopf in die Platte verliebt. Falls das bisher noch nicht klar geworden sein sollte, schon mal im Voraus: Love Let Me Go gehört für mich zu genau dieser Sorte!
Nachdem ich den kompletten Verband von zehn Songs einige Male gehört hatte, war mir klar dass sich dieses Album in keinster Weise vor der EP verstecken muss.
Auf den ersten Eindruck kommt einem der Sound etwas dumpfer und dabei etwas höher vor als noch auf Brave Enough To Fail, doch merkt man eines, was sich schon im Vorgänger herauskristallisierte: More Than Life haben ein unglaubliches Gespür für Melodie, Spannungsaufbau und Intensität. Die Songs strotzen nur so von atmosphärischer Dichte, das Gitarrenspiel ist auf höchstem Niveau versiert, die Drums treibend und der Gesang, der immer kurz davor steht, sich zu überschlagen, bilden ein so intensives Gesamtpaket, das jeglichen im Vorfeld aufgekommenen Hype für diese Band einfach nur die vollste Bestätigung erteilt.
Auch lyrisch schöpfen More Than Life aus dem Vollen. Als Flagschiff dient hier sicherlich „I’ve Lost Track Of Everything“ (beinahe schäme ich mich, es nicht direkt als „genial“ eingestuft zu haben) doch auch der Rest bietet modernen Hardcore in seiner vollsten Pracht: Verzweiflung und Wut machen sich breit und gipfeln in der ein oder anderen absoluten Gänsehaut-Passage. Sicherlich, das Rad neu erfunden haben MTL damit nicht, doch dreht es sich bei dieser jungen Band so verdammt schnell, dass so einige „Alteingesessene“ eben mal rechts überholt werden.
Hier und da gibt es dann noch ein paar Besonderheiten, so hat man sich bei „Take My Life Away“ Unterstützung vom befreundeten Dead Swans-Sänger Nick geholt und auf dem nach dem Album betitelten Schlusssong wird in bester „Bane-Swan Song-Manier“ tatsächlich auch durchaus überzeugend gesungen.
Sollten es More Than Life jetzt noch zu Stande bringen, die bisweilen zum Teil etwas lieblosen Live-Auftritte und da vor allem Sänger James, seine Stimme in den Griff zu bekommen, so haben MTL zweifellos unter Beweis gestellt, dass sie sich vor absoluten Genre-Größen wie Have Heart, Verse oder jüngst Defeater bei kontinuierlicher Arbeit in Zukunft wohl nicht werden verstecken müssen – Love Let Me Go trägt dazu einen großen Teil bei und gehört in diesem Bereich für mich definitiv jetzt schon in die Auswahl zum „Album des Jahres“ – auch wenn es zugegebenermaßen nicht ganz an die EP herranreicht – was noch einmal eher ein Lob für diese als Kritik für das Album ist.
9/10
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