Ja, die Zeit vergeht. Und das bekommt man an allen Ecken und Enden zu spüren, was gerade dann verstärkt auf einen einwirkt, wenn ein einschneidendes Erlebnis im Leben bevorsteht, auf dass man sich längere Zeit vorbereitet hat. So wird das mündliche Abitur morgen das Ende einer Ära und den Anfang einer neuen, ungewissen Zeit bedeuten. Wo man auch hinsieht, fast alles scheint einem in solchen Situationen den unaufhaltsamen Lauf der Zeit vor Augen zu halten. Und doch wissen sich manche solcher Momente in den Vordergrund zu stellen und ihre Wirkung noch einmal exponentiell zu steigern. Und genau so einen erlebe ich gerade. Nach dem in den letzten Tagen zur Routine gewordenen Durcharbeiten der Ethikunterlagen, führt sich mir ein solcher Moment vor Augen. Anfang der Stufe 11, mit dem Eintritt in die MSS, dem Wissen „jetzt gilt’s!“ und vielen Erwartungen, die teilweise letztlich unerfüllt bleiben sollten, setzte ich mich damals in meine erste Stunde Ethik. Ich hatte das Fach gewählt, einmal um dem öden und nervigen Religionsunterricht der Mittelstufe zu enfliehen und zum anderen, da mir die philosophischen Aspekte als durchaus interessant erschienen. Dass diese zwei Stunden pro Woche in den nächsten knapp zweieinhalb Jahren zu den prägensten Erlebnissen meines bisherigen Lebens gehören sollten, war sicherlich das letzte was ich erwartete. Und doch, nach der ersten Doppelstunde in diesem Fach und der „Einleitungsrede“ des Lehrers war mir bereits bewusst, dass dieses Fach mich mehr interessieren würde als der teils monotone Rest der schulischen Bildung. Es fiel die Frage welche ethische Position der Lehrer denn vertrete und es kommt mir vor wie gestern als er meinte, dass er uns dies in der letzten Stunde Ende der 13 verraten werde. Nun, dieses Versprechen hat er gehalten und uns seinen Standpunkt vor zwei Wochen, fünf Minuten vor dem obligatorischen Klingeln, mitgeteilt. Rational zu denken wollte er uns in der Zeit des gemeinsamen Unterrichtes beibringen. Und dies scheint ihm gelungen zu sein. In dem Moment war mir nicht bewusst, was es bedeutete. Doch jetzt, da ich an diesen Moment denke, schlägt dessen Wirkung auf mich ein wie eine Bombe: Morgen noch einmal am Abitur-Schnitt feilen, dann eine, vielleicht zwei Wochen feiern und dann… dann wird nichts mehr so sein wie es 13 verdammte Jahre lang mehr oder weniger war.
Es wird also Zeit, dem mit vergleichsweise wenigen Pflichten verbundenen Schulleben und damit auch der Kindheit zu entfliehen. Raus in die Welt, auf eigenen Beinen stehen.
Was die Zukunft bringt? Keiner vermag es zu sagen. Unseren eigenen Glückes Schmied sollen wir sein, doch in der heutigen Gesellschaft schwingen da ganz andere das Schmiedeeisen. Anpassen werden wir uns müssen, ein sich stetig drehendes Zahnrad in dieser großen, widerlichen Maschine sein. Arbeiten bis wir umfallen, denn wenn es für uns überhaupt noch Rente geben wird, dann wohl erst wenn wir 90 sind. Und zu ersetzen ist eh jeder. Doch was bleibt uns anderes übrig? Entweder schwimmen wir mit auf der Welle des zwanghaften Erfolges und ekelhaften Konsums oder wir gehen gnadenlos baden. Selbstverwirklichung? Was soll das sein? Es gilt: Hinsetzen, Klappe halten.
Haha, dass ich nicht lache.
Sonntag, 14. März 2010
Sonntag, 7. März 2010
Frank Turner – Poetry Of The Deed

Genre: Akustik/Folk/Punk
Erschienen: 11.09.2009
http://www.frank-turner.com/
Zugegeben, Singer/Songwriter-Releases gibt es in letzter Zeit wie Sand am Meer und sie finden auch starken Anklang, was nicht erst ein Verdienst von Ex-Hot Water Music Frontmann Chuck Reagan ist.
Mit Frank Turner trat 2006 jemand auf den Plan der, ähnlich wie Reagan, eine härtere Vergangenheit hinter sich hat. Als Sänger der britischen Punkband Million Dead hat der in Bahrain geboren und in Winchester/London aufgewachsene Turner schon immer politische Statements abgegeben und versucht, die Menschen, die seiner Musik lauschen, zum nachdenken zu bewegen. Doch auch zu dieser Zeit schon kam des Öfteren Turners Leidenschaft für ruhige Akustik-Stücke zum Vorschein. So war es eigentlich wenig überraschend, dass Turner, der übrigens ein Geschichts-Studium an der London School of Economics abgeschlossen hat, sich nach der Auflösung von Million Dead solo versuchen würde.
„Poetry Of The Deed“ ist sein drittes Full-Length, nach “Sleep Is For The Week” (2007) und “Love Ire & Song” (2008). Und obwohl er im Jahrestakt neue Alben herauszubringen scheint, verkauft er sich nicht oder brennt gar aus.
Seine Musik lässt sich am besten mit dem Titel seiner ersten EP beschreiben, die sich sinnigerweise mit „Campfire Punkrock“ betitelte. Denn genau das ist die Musik die man vorgesetzt bekommt: Ruhige Akustik-Stücke, die Lagerfeuer-Atmosphäre verbreiten, aber trotzdem massig Statements in Sachen Gesellschaft vom Stapel lassen.
Nimmt man alleine die Endzeile des Stückes „Sons Of Liberty“, dessen Name schon äußerst viel sagend ist, so merkt man sofort, dass es nicht Turners Absicht scheint, 08/15 - Schnulzen zu schreiben. „Because a man who’d trade his liberty for a safe and dreamless sleep / doesn’t deserve the both of them, and neither shall he keep.” heißt es da, und das mag für den einen oder anderen schon starker Tobak sein. Und doch ist es nur die Intonierung der Gedanken eines einfachen Mannes, der schon immer etwas bewegen wollte. Und eindeutig, seine „Punk-Vergangenheit“ findet starken Einfluss in sein Songwriting, so dass dieses auch bisweilen etwas derbe herüber kommt.
Turner ist ein Mann des Volkes, was alleine dadurch deutlich wird, dass er in den letzten fünf Jahren über 700 (!) Konzerte mit Band und solo gespielt hat, ständig auf Tour scheint. Doch er hat einen Heidenspaß daran, das Publikum anzuheizen und seine eigenständige Meinung zu verkaufen.
Für die Aufnahmen seines dritten Albums hat sich Turner dann jedoch Verstärkung geholt und wurde von einer Band unterstützt, deren Einflüsse, zB durch Klavierklänge zwar dezent und unterschwellig sind, die Musik aber nochmals interesannter machen.
In „Poetry Of The Deed“ setzt Turner seinen Erfolgsweg nahtlos fort: Eingängige Melodien und Songwriting, dass von banalen Alltagssituationen bis zu politischen Themen und Turners Selbsteinschätzung reicht bilden ein wirklich interessantes und durchweg hörbares Country/Folk/Punk Album, eines Mannes, der seiner Meinung nie müde wird.
8/10
Tracklist:
1. Live Fast Die Old
2. Try This At Home
3. Dan's Song
4. Poetry Of The Deed
5. Isabel
6. The Fastest Way Back Home
7. Sons Of Liberty
8. The Road
9. Faithful Son
10. Richard Divine
11. Sunday Nights
12. Our Lady Of The Campfire
13. Journey Of The Magi
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