Sonntag, 14. März 2010

Ja, die Zeit vergeht. Und das bekommt man an allen Ecken und Enden zu spüren, was gerade dann verstärkt auf einen einwirkt, wenn ein einschneidendes Erlebnis im Leben bevorsteht, auf dass man sich längere Zeit vorbereitet hat. So wird das mündliche Abitur morgen das Ende einer Ära und den Anfang einer neuen, ungewissen Zeit bedeuten. Wo man auch hinsieht, fast alles scheint einem in solchen Situationen den unaufhaltsamen Lauf der Zeit vor Augen zu halten. Und doch wissen sich manche solcher Momente in den Vordergrund zu stellen und ihre Wirkung noch einmal exponentiell zu steigern. Und genau so einen erlebe ich gerade. Nach dem in den letzten Tagen zur Routine gewordenen Durcharbeiten der Ethikunterlagen, führt sich mir ein solcher Moment vor Augen. Anfang der Stufe 11, mit dem Eintritt in die MSS, dem Wissen „jetzt gilt’s!“ und vielen Erwartungen, die teilweise letztlich unerfüllt bleiben sollten, setzte ich mich damals in meine erste Stunde Ethik. Ich hatte das Fach gewählt, einmal um dem öden und nervigen Religionsunterricht der Mittelstufe zu enfliehen und zum anderen, da mir die philosophischen Aspekte als durchaus interessant erschienen. Dass diese zwei Stunden pro Woche in den nächsten knapp zweieinhalb Jahren zu den prägensten Erlebnissen meines bisherigen Lebens gehören sollten, war sicherlich das letzte was ich erwartete. Und doch, nach der ersten Doppelstunde in diesem Fach und der „Einleitungsrede“ des Lehrers war mir bereits bewusst, dass dieses Fach mich mehr interessieren würde als der teils monotone Rest der schulischen Bildung. Es fiel die Frage welche ethische Position der Lehrer denn vertrete und es kommt mir vor wie gestern als er meinte, dass er uns dies in der letzten Stunde Ende der 13 verraten werde. Nun, dieses Versprechen hat er gehalten und uns seinen Standpunkt vor zwei Wochen, fünf Minuten vor dem obligatorischen Klingeln, mitgeteilt. Rational zu denken wollte er uns in der Zeit des gemeinsamen Unterrichtes beibringen. Und dies scheint ihm gelungen zu sein. In dem Moment war mir nicht bewusst, was es bedeutete. Doch jetzt, da ich an diesen Moment denke, schlägt dessen Wirkung auf mich ein wie eine Bombe: Morgen noch einmal am Abitur-Schnitt feilen, dann eine, vielleicht zwei Wochen feiern und dann… dann wird nichts mehr so sein wie es 13 verdammte Jahre lang mehr oder weniger war.

Es wird also Zeit, dem mit vergleichsweise wenigen Pflichten verbundenen Schulleben und damit auch der Kindheit zu entfliehen. Raus in die Welt, auf eigenen Beinen stehen.
Was die Zukunft bringt? Keiner vermag es zu sagen. Unseren eigenen Glückes Schmied sollen wir sein, doch in der heutigen Gesellschaft schwingen da ganz andere das Schmiedeeisen. Anpassen werden wir uns müssen, ein sich stetig drehendes Zahnrad in dieser großen, widerlichen Maschine sein. Arbeiten bis wir umfallen, denn wenn es für uns überhaupt noch Rente geben wird, dann wohl erst wenn wir 90 sind. Und zu ersetzen ist eh jeder. Doch was bleibt uns anderes übrig? Entweder schwimmen wir mit auf der Welle des zwanghaften Erfolges und ekelhaften Konsums oder wir gehen gnadenlos baden. Selbstverwirklichung? Was soll das sein? Es gilt: Hinsetzen, Klappe halten.

Haha, dass ich nicht lache.

1 Kommentar:

  1. Hallo,

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    Patrick

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