Mittwoch, 24. Februar 2010
Montag, 22. Februar 2010
Bloc Party - A Weekend in the City

Ruiner - Hell Is Empty

Genre: Hardcore
Erschienen: 25.09.2009
www.youruiner.com/
Nachdem ich nun schon mit der für mich besten Platte des letzten Jahres begonnen habe, folgt hier ein weiteres Goldstück aus 2009: „Hell Is Empty“ ist das aktuellste Release der Jungs aus Baltimore.
In einer Zeit, in der Hardcore sicherlich einen Boom erlebt und der Markt von Einheitsbrei und 08/15-Releases überschwemmt wird, scheint es umso schwerer sich von der Masse abzuheben. Eine Band die dies zweifelsohne immer wieder bewältigt ist Ruiner und das, so paradox es klingen mag, dadurch, dass sie eigentlich nicht hervorstechen will. Für Sänger Rob Sullivan ist die Entwicklung dieser Szene eine absolut negative und da Sullivan schon immer ein Mann ehrlicher Worte war, lässt er dies auch durchscheinen wo es nur geht: „Hello you fuckers, you assholes, you social rejects / I hope you get my sarcasm as I generalize our subculture”, heißt es da in „Two Words“, dem dritten Song der Platte und eindeutiger könnte er seine Unzufriedenheit wohl kaum herausschreien.
Generell zieht sich Sullivans Unmut schon immer wie ein roter Faden durch die Aufnahmen seiner Band. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen, jeder bekommt sein Fett weg. Und trotzdem bringt es der rothaarige Zimmermann und Teilzeitbarkeeper fertig, nie abgestumpft oder übertrieben pathetisch zu klingen. Im Gegenteil, die Ehrlichkeit die einem entgegenschlägt ist überwältigend und es kommt des Öfteren vor, dass man sich dabei erwischt, wie man ihm im Stillen recht gibt, obwohl das eigene Verhalten verurteilt wird.
Man mag Sullivan als notorischen Weltverbesserer und Idealisten darstellen, doch sieht er die Chancen, mit seinen Texten etwas zu bewegen selbst sehr nüchtern und realistisch. Umso eindrucksvoller erscheint es, wenn man sieht wie viel Herzblut er in seine Kunst hineinsteckt. Wenn er eins nicht will, dann ist das ein blindes Schaf in der großen Herde zu sein, die sich Gesellschaft nennt. Wenn er auf seine sarkastische und schon fast anmaßend bodenständige Weise ins Mikrofon brüllt, seine Stimme dabei immer wieder wegbricht und er seinen Hass auf das eine oder andere Thema zum Ausdruck bringt, bleibt einem kaum etwas anderes übrig als beeindruckt zu sein. Es wird so oft wie möglich angeeckt und provoziert wo es nur geht und genau das macht Ruiner zu einer Band, die zum Nachdenken anregt wie kaum eine zweite. Die Jungs haben eine Meinung, die Jungs sind ehrlich. Und wer das nicht akzeptiert oder wem das aufstößt, der hat in diesem Musikgeschäft schlichtweg nichts verloren.
„Hell is Empty“ ist ein unglaublich fesselndes und intensives Album. In „I’m Out“, dem Opener, beginnt Sullivan direkt mit einem Statement, dass seine Einstellung wunderbar treffend beschreibt: „You can blame me if you want. / You can hate me if you want” - Macht was ihr wollt, ich ziehe mein Ding durch und lasse mir von niemandem den Mund verbieten. Und so geht es weiter. Nach dem düsteren „Dead Weight“ folgt das oben angesprochene „Two Words“. Dort gipfelt Sullivans Hass auf die Subkultur, die für ihn nicht mehr das ist für das sie einst stand, so verurteilt er die „ignorant masses“, den mangelnden Willen etwas zu bewegen. Es folgt der Zweiteiler „Part One“ & „Part Two“, wobei ersterer dazu zu dienen scheint, die Spannung für Teil zwei aufzubauen. Eine starke Spannung hält sich übrigens über das ganze Album, man ist nie gelangweilt. Über vier weitere vor Ehrlichkeit und Sarkasmus nur so strotzende Songs gelangt man letztlich zum Ende. Und hier wird mit „Solitary“ noch einmal einer drauf gesetzt. Das Lied beschreibt die Situation des Ex-Knackis Mike, der im jungen Rob Sullivan einen Freund findet, der ihm aber genauso wenig wie Mikes Bruder helfen kann. Dabei wird die Geschichte so atmosphärisch erzählt, dass es überwältigt. Sullivan selbst versteht das Lied auch und vor allem als Kritik am amerikanischen Gefängnissystem und dessen Unfähigkeit, Menschen zu ändern.
Musikalisch gehen Ruiner nicht ganz den Weg der Vorgänger, vor Schnelligkeit explodierende Songs bleiben fast gänzlich aus. Doch unterstützt der treibendere, düsterere Sound auf eine perfekte Art und Weise die Message, die Sullivan rüberbringen will. Und das ist die Wahrheit – und die sieht nicht rosig aus.
9/10
Tracklist:
01. I'm Out
02. Dead Weight
03. Two Words
04. Part One
05. Part Two
06. Meat
07. Constrictor
08. Loneliest Of Hearts
09. Convenient Gods
10. Solitary
Sonntag, 21. Februar 2010
Angels & Airwaves - LOVE
Genre: Alternative / Space Rock/ Prog Rock
Veröffentlicht: 12.2.10, als kostenloser Download auf der Website
www.modlife.com/AngelsAndAirwaves
Kurz vor unserem Entschluß diesen Blog zu eröffnen, kam praktischerweise das dritte Album einer Band heraus, deren Werdegang ich seit ihrer Gründung 2005 verfolge, weshalb ich nicht lange überlegen musste, welches Werk Gegenstand meines ersten Reviews wird.
Ambitioniert wie eh und je beschreibt der allseits bekannte Frontmann Tom DeLonge dieses Album als "die größte Veröffentlichung meines Lebens", in deren völlig eigenständige Aufnahme er und seine drei Mitstreiter immerhin auch über 500.000 $ und ein ganzes Jahr Schaffenszeit investiert haben.
Wie bei beiden Vorgängern wird auch auf LOVE recht schnell jedem klar, dass die vier Kalifornier ihre Liebe für ausufernd epische Intros und Outros nicht verloren haben und auch Parallelen zu früheren Werken der Band oder ihrer Mitglieder lassen sich wieder finden. So erinnert einen die markante Basslinie von "Epic Holiday" doch durchaus an "Everything's Magic"(aus I-Empire) und das Gitarrenspiel aus "The Flight Of Apollo" klingt stark nach Boxcar Racer, der früheren Band von Tom und Leadgitarrist David Kennedy. Man kann darüber streiten ob dies nun ein Zeichen für nichtvorhandene Kreativität ist oder einfach die ungetrübte Begeisterung für bestimmte musikalische Ideen, die betreffenden Songs überzeugen jedenfalls in der Regel.
Der typische AvA-Sound wird in ihrem dritten Werk durch verstärkten Keyboardeinsatz und unzählige elektronische Spielereien erweitert, sodass nicht nur mit Songtiteln wie "The Moon-Atomic" oder eben "The Flight Of Apollo" klar deutlich wird, was ein großer Fan des Außerirdischen Tom DeLonge nun einmal ist. Diese Neuerungen sind zum Glück nicht übertrieben, sondern recht passend in die Lieder eingefügt worden, sodass sie deren Wirkung gut verstärken. Insgesamt erzeugen die vollgeladenen Melodien, der unbestreitbar epische Charakter vieler Lieder und auch die unverwechselbare Stimme des Blink-Gitarristen, zumindest bei mir, nach wie vor, ein Gefühl, was man so umschreiben könnte, wie er es in seiner unheimlich bescheidenen Art tat: "Die Musik hört sich an, als ob man den Tränen nahe sei, aber man stößt seine Faust in die Höhe und kann die Welt erobern!". So poetisch und übertrieben es auch klingt, irgendwie hat er doch Recht gehabt.
Leider sind aber die Lyrics diesmal teilweise erschreckend simpel und werden den Melodien in denen sie verpackt sind absolut nicht gerecht. Ähnlich wie in "Breathe" vom Vorgänger wird mit "Clever Love" z.B. ein Liebeslied serviert, dessen Text auch von einem Drittklässler stammen könnte und in etwa so originell ist, wie der Albumtitel an sich. Nach wie vor lässt sich außerdem feststellen, dass sich manche Lieder doch sehr ähneln, aber mein Hauptkritikpunkt, neben den Lyrics, ist ein anderer.Bei einigen Liedern und ganz besonders bei der ersten Single "Hallucinations" steigt die Spannung in den Strophen stetig an, doch sobald der Refrain einsetzt, verschwindet diese fast völlig, anstatt den krönenden Abschluss zu bilden, der meiner Meinung nach, neben den bereits erwähnten Punkten, notwendig ist, damit dieses Album wirklich das Prädikat "Meisterwerk" verdient, den es von seinem Leadsänger verliehen bekam.
Trotz der beschriebenen Schwachpunkte ist LOVE dennoch ein gutes Album (nicht mehr und nicht weniger), das den sehr eigenen Stil der Band fortführt und wenn man dieser Art von Musik nicht völlig distanziert gegenübersteht, kann man es sich durchaus mal guten Gewissens zu Gemüte führen, da man beim kostenlosen Download auch wirklich nur das Album erhält und keinerlei Angaben machen muss, durch die man vielleicht das Privileg erlangen könnte, täglich massenhaft Werbemails zu erhalten.
7,5 / 10
Tracklist:
1. Et Ducit Mundum Per Luce
2. The Flight of Apollo
3.Young London
4. Shove
5. Epic Holiday
6. Hallucinations
7. The Moon-Atomic (...Fragments and Fiction)
8. Clever Love
9. Soul Survivor(...2012)
10. Letters To God, Part II
11. Some Origins of Fire
Gallows – Grey Britain

Genre: Punk / Hardcore
Erschienen: 02.05.2009
www.gallows.co.uk/
Hat man sich erstmal dazu entschieden Reviews zu schreiben, stellt sich direkt eine essentielle Frage: Welche Platte nehme ich als erstes? Meine Liebste, die Aktuellste oder lasse ich den Zufall entscheiden? Letztlich habe ich mich für die Platte entschieden, die mich im letzten Jahr wohl am meisten gefesselt hat.
Nach dem wirklich überzeugenden Debut-Album „Orchestra Of Wolves“ von 2007 war es ruhig um die Band um den charismatischen Front-Schreihals Frank Carter geworden. Dass „Grey Britain“ nun auf einem Major Label erschien, dürfte doch für einige Zweifel gesorgt haben. Umso überzeugender jedoch ist das Ergebnis: Angefangen wird mit einem unvergleichbar atmosphärischen und fesselnden Intro, dass eine perfekte Einleitung in dieses düstere und nihilistische Album darstellt. Darauf folgen 12 Tracks, in denen Frank seinen Hass auf die Gesellschaft auf so unglaublich energetische Art und Weise herausschreit, dass sich zwangsläufig Mitleid für die arme Lunge des Mannes aufbaut.
Bereits auf dem ersten Album überzeugten die Engländer mit einem in der heutigen Hardcore-Szene ungewöhnlich rotzigen und treibenden Sound, der auf dieser Platte nicht nur fortgesetzt, sondern perfektioniert wird. Als Highlight des Albums stellt sich „The Vulture“ heraus, bei dem Frank, man glaubt es kaum, zunächst singt, nur um gerade in dem Moment, in dem man sich daran gewöhnt, noch energischer loszuschreien.
Insgesamt ist „Grey Britain“ ein so unfassbar düsteres und in sich geschlossenes Album, dass mir schlichtweg die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Für mich die beste Platte des letzten Jahres !
10 / 10
Tracklist:
01. The Riverbank
02. London Is The Reason
03. Leeches
04. Black Eyes
05. I Dread The Night
06. Death Voices
07. The Vulture (Acts I & II)
08. The Riverbed
09. The Great Forgiver
10. Graves
11. Queensberry Rules
12. Misery
13. Crucifucks
Servus !
Über jegliche konstruktive Kritik zu unseren sicherlich nicht immer objektiven geistigen Ergüssen würden wir uns sehr freuen.
Also, los geht's !